Zum Thema: Longieren mit Hilfszügeln

Es gibt ja einige Ausbilder oder Ansichten, bei denen Hilfszügel als teuflisch angesehen werden. Nach meiner Erfahrung und Meinung, kann man mit achtsam eingesetzten Hilfszügeln die Pferde auch sinnvoll und positiv trainieren. Das essentielle ist für mich, genau zu wissen, welches Ausbildungsziel ich momentan verfolge und mit was für einem Pferd ich arbeite.
Wie ist die Balance? Wie weit ist es mit Ausrüstung und Anlehnung vertraut? Was kann es schon gut? Was möchte ich noch verbessern?
Das sind zum Beispiel fragen, die ich zunächst in Betracht ziehe.

Danach entscheide ich, 1.ob  2.welche Hilfszügel und 3.wie ich sie einsetze.

Ein Beispiel ist meine Rosi. Sie wird dieses Jahr 6 Jahre alt und heute habe ich sie als Abwechslung zum Reiten longiert. Ihr Sattel wurde neu von meiner Sattlering angepasst und sie sollte Gelegenheit bekommen, sich ohne das Reitergewicht daran zu gewöhnen. Ich habe sie zunächst mit Bodenarbeit warm geführt und sie dann zuerst unausgebunden an die Longe genommen. Dabei kann ich damit leben, dass sie mal in Außenstellung geht, auf die Vorhand kommt oder schief wird. Erstmal muss sie sich selbst auf dem Untergrund ausbalancieren, sich dehnen dürfen, sich aufwärmen dürfen. Dafür nutzen Pferde ihren Hals als Balancierstange, wie es auch schön auf dem Foto und im Video zu sehen ist.

Rosi in deutlicher Außenstellung. Sie wurde durch die Pferde im zweiten Paddocktrail abgelenkt.


Denkt daran, ein Sportler macht auch nicht gleich sein Doppelrückwärtssalto zum aufwärmen! Ich finde es ein Unding, Pferde kalt aus der Box in die Halle zu ziehen und direkt mit extrem kurz verschnallten Hilfszügeln in eine starre Position zu knebeln. Das hat nichts mit Pferdeverstand und effektivem Training zu tun!

Nachdem ich sie auf beiden Händen warm longiert habe, schnalle ich die Hilfszügel ein. In diesem Fall, habe ich seitliche Ausbinder genutzt, welche vom Gurt bzw. Sattel zum Gebissring laufen und beide auf die gleiche Länge eingestellt. Da ich aufgrund der Bodenverhältnisse auf dem Platz longiert habe und sowohl die gleichmäßige Begrenzung durch den äußere Schenkel als auch durch den Zaun fehlt, macht es wenig Sinn, mit dem inneren Ausbinder eine Stellung vorzugeben. Rosi hätte sich dann dementsprechend in ihrem Körper schief gemacht, um den Druck auszugleichen und die Wirkung der Stellung wäre verpufft.

Da die seitlichen Ausbinder nur begrenzt die Nickbewegung im Schritt zulassen können (ich benutze extra welche mit einem stabilen Gummieinsatz, um etwas flexibilität zu ermöglichen), habe ich sie dann zügig angetrabt. Wir arbeiten mit vielen Übergängen, mit verschiedenen Zirkelgrößen und gerne verlagere ich den Zirkel, wenn ich den ganzen Platz nutzen kann. Durch den Wechsel zwischen Wendung und Geradeaus bekomme ich einen positiven Einfluss auf Ihre Balance und Körperhaltung. Gegen Ende war sie sogar so aufmerksam, dass wir angefangen haben Schritt-Galopp Übergänge an der Longe zu erarbeiten 🙂 Regelmäßige Handwechsel sollten selbstverständlich sein!

Als Cool-Down schnalle ich die Hilfszügel aus und Rosi geht an der Longe noch Schritt oder wir gehen meistens noch eine Runde mit Milo spazieren. Ich sehe die Verwendung von Hilfszügeln in der Longenarbeit als nützlich an. Sie helfen jungen Pferden, sich mit der Anlehnung vertraut zu machen; Problempferde oder Therapiepferde können für sie neue und gesunde Bewegungsmuster erlernen; Reitanfänger können sich so zunächst auf ihren Sitz konzentrieren. Und Pferde, die bereits weiter ausgebildet sind, kann man schön von unten beobachten und trainieren.

Das Pony ist nicht so leicht an die Hilfen zu stellen. Mit den seitlichen Ausbindern findet sie Ihre Balance und Amilia kann sich darauf konzentrieren, einen ausbalancierten Sitz zu erlernen.


Du möchtest mehr über pferdegerechte Ausbildung lernen? Hast du Fragen zur Arbeit mit deinem Pferd? Kontaktiere mich gerne! email: equinamic@gmail.com

Gerne darfst du diesen Artikel teilen und kommentieren 🙂

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